Eine gigantische Unwetterfront hat in Norddeutschland die Feuerwehren und Rettungsdienste in Daueralarm versetzt. Gegen acht Uhr morgens verfinsterte sich der Himmel über Hamburg: Dann schossen Blitze kreuz und quer über das schwarze Firmament. Der Berufsverkehr wurde durch umgestürzte Bäume und heftige Regenfälle behindert.
Roland Emmerich hätte es nicht dramatischer inszenieren können: Rabenschwarze dicke Wolken rasten plötzlich über Norddeutschland hinweg. Binnen weniger Minuten wurde es Nacht - dabei war es acht Uhr morgens. Dann brach ein heftiger Gewittersturm los, Bäume bogen sich bis auf den Boden, der Regen peitschte waagerecht durch die Stadt. Die Straßen waren binnen weniger Minuten so überflutet, dass der Verkehr nur noch im Schritttempo vorankam.
Nach Angaben der Einsatzkräfte entwurzelte der Sturm vor allem in Schleswig-Holstein und Hamburg Bäume, die auf Dächer und Autos stürzten. Zahlreiche Keller wurden überschwemmt. Am Hamburger Flughafen fielen innerhalb einer Stunde 19,4 Liter Regen je Quadratmeter.
Im Bahnverkehr kam es zu erheblichen Störungen. Die Verbindung Kiel-Hamburg war zeitweilig unterbrochen, während Züge zwischen Hamburg und Berlin umgeleitet werden mussten, weil umgestürzte Bäume die Gleise blockierten. Nach Angaben der Bahn sollen die Störungen bis zum Nachmittag behoben sein. Auch die Autobahn 23 wurde wegen entwurzelter Bäume gesperrt. Auf den Autobahnen rund um Hamburg bildeten sich lange Staus.
Vermutlich bei einem Blitzeinschlag entzündete sich im Chemiebetrieb Dow Deutschland in Stade ein Wasserstoffgemisch, das aus einem Schornstein abgeblasen wurde. Das Feuer war weithin sichtbar, richtete aber keinen Schaden an, sagte ein Sicherheitsbeauftragter des Unternehmens. In Hamburg verursachten Blitze mindestens zwei Hausbrände, ein Mann wurde verletzt.
In Tüttendorf in Schleswig-Holstein schlug ein Blitz in den Rotor einer Windkraftanlage ein, der daraufhin Feuer fing. Die Feuerwehr ließ die Anlage kontrolliert abbrennen, da der Rotor mit 64 Metern zu hoch für Löschversuche war. Die Bundesstraße 73 musste zwischenzeitlich gesperrt werden.
Meteorologen warnten vor weiteren Unwettern in Sachsen-Anhalt und Nordbrandenburg. Auch Tornados seien möglich.
Quelle:
Spiegel Online:
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,303393,00.html


