Keine Lösung für CO2-Problem
Deutsche Forscher untersuchen Eisendüngung des Ozeans
Meeresökologie. - Im Südatlantik ging gerade eines der größten ökologischen Experimente des Alfred-Wegener-Institutes für Polar- und Meeresforschung (AWI) zu Ende. In einem Meereswirbel hatte das Forschungsschiff "Polarstern" Eisensulfid-Lösung verteilt, um das Wachsen und Vergehen von Meeresalgen zu stimulieren und zu beobachten.
Der menschgemachte Kohlendioxidausstoß gehört derzeit zu den größten umweltpolitischen Problemen. Die geborenen CO2-Vernichter sind Pflanzen, die das Gas für ihre Photosynthese brauchen. Das größte Potential vermuten Forscher in den Meeresalgen, in denen sich die größte pflanzliche Biomasse konzentriert. In vielen Meeresregionen ist deren Wachstum jedoch begrenzt, weil ihnen der Spurenstoff Eisen nicht ausreichend zur Verfügung steht. Eine Eisendüngung, so eine weitverbreitete Vermutung, würde zu einer Algenblüte führen, die enorme Mengen CO2 aus der Luft entfernen könnte. Entsprechende Experimente hat es bereits gegeben und sie haben auch eine Algenblüte hervorgebracht. Unklar war bis jetzt allerdings, ob diese Blüte auch entsprechend viel Kohlendioxid dauerhaft aus der Atmosphäre entfernen kann. Denn viele Algen locken auch viele Pflanzenfresser an, die sie fressen und das gebundene CO2 über die Atmung wieder in die Luft entlassen.
Das europäische Eisendüngungsexperiment EIFEX sollte diese Frage jetzt klären. Mehrere Wochen lang drehte das deutsche Forschungsschiff "Polarstern" jetzt im Südatlantik seine Runden, um durch Eisendüngung eine Algenblüte hervorzurufen und zu verfolgen, was mit ihr im Laufe der Zeit geschieht. Expeditionsteilnehmer Ulrich Bathmann vom AWI berichtet: "Es ist eine ganze Veränderung im Nahrungsnetz erfolgt, das so komplex ist, dass wir aus unseren Messdaten nur erste Andeutungen haben." Im Lauf weniger Wochen breitete sich die gedüngte Zone aus wie ein Tropfen Milch im Kaffee. Schließlich verwandelte sich ein Viertel der Wirbelfläche in ein Schlaraffenland. Der Algenteppich lockte von nah und fern die Pflanzenfresser im Plankton, und die wiederum zogen die Räuber an. Durch die Eisendüngung sank der CO2-Gehalt im Meerwasser um immerhin zehn Prozent.
Eine dauerhafte CO2-Bindung durch Algen, die zum Meeresgrund hinabsinken scheint auch stattzufinden, denn die Messgeräte der Polarstern registrierten einen wachsenden Algenregen in immer tiefere Wasserschichten. Bathmann: "Immer mehr Algen sinken in Tiefen von unterhalb von 100 Meter und unsere Messgeräte haben ein Absinken bis in 4000 Metern Wassertiefe registriert, also fast bis zum Meeresboden." Doch ob dieser Mechanismus zur Verringerung des menschlichen Kohlendioxid-Problems genutzt werden kann, ist eher fraglich. Denn Algen leben nicht nur vom Eisen allein. Sie brauchen zahlreiche andere Nährstoffe. Die sind zwar in den Ozeanen ausreichend vorhanden, aber der menschliche Kohlendioxidausstoß beträgt jährlich drei Gigatonnen. Um die zu binden, müsste der gesamte Südozean mit Eisen gedüngt werden und die anschließende Algenblüte würde alle Nährstoffvorräte des Meeres aufbrauchen. Nach Berechnungen dauert es aber rund zehn Jahre, bis diese Vorräte wieder aufgefüllt sind, so dass die CO2-Entsorgung eines Jahres zehn Hungerjahre im Meer zufolge hätte. Bathmann ist daher überzeugt: "Eine Düngung der Weltmeere durch Eisen löst in keiner Weise das CO2-Problem."
Quelle:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/forschak/253615/

