In den Londoner Parks sind schon die Laubkehrer am Werk, Eicheln und Kastanien fallen zu Boden. Die Hitzewelle und der fehlende Regen könnten dem Land den "bisher frühesten Herbst" bescheren, sagt Stewart Henchie, Chefbotaniker im Park von Kew Gardens. Bäume und Pflanzen reagierten mit ihrem eigenen Abwehrmechanismus auf den "Stress" der Hitzwelle und den damit verbundenen Mangel an Grundwasser. "Sie denken sich, ich habe nicht genug Wasser, ich schwitze zu viel, ich muss dafür etwas abstoßen."
Schweizer Waldforscher gehen davon aus, dass der frühe Herbst nur der erste Vorbote massiver Folgeschäden sein könnte. Die durch die Hitze geschwächten Bäume könnten ein Fressen für die Schädlinge werden.
Nach dem heißen Sommer von 1947 seien bei einer ähnlichen Wetter-Konstellation allein in der Schweiz mehrere 100 000 Kubikmeter Fichten, Tannen und Buchen abgestorben. Die Bäume würden in diesem Jahr zwei bis drei Monate zu früh bunt, sagt ein Sprecher der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Die von der Hitze und Trockenheit gestressten Bäume ließen Blätter und Nadeln fallen und reduzierten so die Wasserverdunstung. Auf diese Weise könnten sie zwar ein rasches Absterben verhindern, sie würden jedoch anfällig für Folgeschädlinge und Krankheiten. Besonders stark hätten die Bäume im zentralen und nördlichen Mittelland und an der Alpensüdseite gelitten. Die Forscher rechnen mit massiven Schäden in den kommenden zwei bis drei Jahren.
Das vermehrte Auftreten des Buchdruckers, einer Borkenkäferart, weise schon auf die ersten Folgeschäden hin. Aber auch andere Borkenkäfer-Arten reagierten rasch auf das neue Brutmaterial-Angebot. In den Kronen von älteren Fichten werde immer öfter der Kupferstecher entdeckt. In den Lärchen treibe der Große Lärchenborkenkäfer sein Unwesen.
Quelle: Frankfurter Neue Presse

